Unternehmensziele richtig setzen: SMART, OKR, KPIs & 90-Tage-Plan

Viele Gründer:innen starten mit einer guten Idee, aber ohne klare Ziele. Genau dadurch entstehen typische Schwachstellen: zu viele Aufgaben gleichzeitig, unklare Prioritäten, zu wenig Umsatz, falsche Kund:innen, keine belastbare Finanzplanung und ein Businessplan, der zwar ordentlich klingt, aber im Alltag nicht steuert.

Gute Unternehmensziele übersetzen eine Gründungsidee in konkrete Entscheidungen: Welche Kund:innen sollen gewonnen werden? Welcher Monatsumsatz ist nötig? Welche Kosten dürfen entstehen? Welche Aufgaben haben Priorität? Und woran erkennt man nach 90 Tagen, ob der Weg funktioniert?

Unternehmensziele sind deshalb kein Motivationsspruch und keine schöne Folie für den Businessplan. Sie sind ein Steuerungsinstrument. Wer sich selbstständig machen in Österreich möchte, braucht Ziele, die mit Markt, Zeit, Geld, Kundengewinnung und persönlicher Belastbarkeit zusammenpassen. Gerade am Anfang ist nicht die Anzahl der Ziele entscheidend, sondern die Fähigkeit, das Wichtige vom Ablenkenden zu trennen.

Ein guter ergänzender Blick auf persönliche Klarheit, Priorisierung und mentale Widerstandskraft findet sich im Beitrag Ziele richtig setzen und Prioritäten lernen. Für Gründer:innen ist dieser Gedanke besonders wertvoll: Nicht jedes sinnvolle Ziel ist jetzt wichtig. Und nicht jede Möglichkeit verdient sofort Zeit, Geld und Energie.

Das Wichtigste kompakt

Bereich Kompakte Orientierung
Hauptfokus 1 bis 3 Unternehmensziele pro Quartal
Zeitrahmen 90 Tage
SMART spezifisch, messbar, erreichbar, relevant, terminiert
OKR Objective + 3 bis 5 Key Results
KPIs Umsatz, Gewinn, Leads, Abschlussquote, Liquidität
Finanzziel Gewinn statt reiner Umsatz
Marketingziel qualifizierte Anfragen statt Reichweite
Review wöchentlich kurz, monatlich gründlich
Fehler zu viele Ziele, keine Kennzahlen, kein Stopp-Kriterium

Warum Unternehmensziele für Gründer anders funktionieren

Angestellte bekommen Ziele oft aus einer bestehenden Organisation heraus: Umsatzvorgaben, Projektziele, Qualitätsziele, Teamziele oder persönliche Entwicklungsziele. Gründer:innen müssen zuerst selbst entscheiden, welche Ziele überhaupt relevant sind. Das macht die Zielsetzung anspruchsvoller.

Am Anfang konkurrieren viele Themen gleichzeitig: Angebot entwickeln, Website bauen, erste Kund:innen gewinnen, Preise festlegen, Buchhaltung organisieren, Förderungen prüfen, Netzwerk aufbauen, vielleicht ein Firmenkonto in Österreich eröffnen und gleichzeitig noch genug Geld verdienen. Ohne klare Ziele entsteht schnell Aktionismus. Man arbeitet viel, aber nicht zwingend am wichtigsten Engpass.

Gute Unternehmensziele beantworten deshalb nicht nur „Was möchte ich erreichen?“, sondern auch: Was ist jetzt der größte Hebel? Was darf warten? Welche Zahl zeigt echten Fortschritt? Und welche Aufgabe fühlt sich produktiv an, bringt aber keine Kund:innen, keinen Umsatz und keine bessere Entscheidung?

Unternehmensziele, persönliche Ziele und Mitarbeiterziele: der Unterschied

Ein häufiger Fehler besteht darin, alle Ziele in einen Topf zu werfen. Für Gründer:innen ist die Trennung wichtig, weil jede Zielebene eine andere Funktion hat.

Unternehmensziele

Unternehmensziele betreffen das Geschäft selbst: Umsatz, Gewinn, Liquidität, Kundengewinnung, Marktposition, Angebot, Qualität, Prozesse und Wachstum. Sie zeigen, ob aus einer Idee ein tragfähiges Unternehmen wird.

Persönliche Gründerziele

Persönliche Ziele betreffen Arbeitszeit, Belastung, Lernkurve, Lebensqualität, Entscheidungsfähigkeit und persönliche Entwicklung. Sie sind wichtig, dürfen aber nicht mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit verwechselt werden. Ein Ziel wie „mehr Freiheit“ braucht eine Übersetzung in Zahlen: benötigter Gewinn, gewünschte Arbeitszeit, Mindesthonorar, Rücklagen und planbare Kundengewinnung.

Mitarbeiterziele

Mitarbeiterziele werden relevant, sobald aus der Gründung ein Team wird. Dann müssen Unternehmensziele in Rollen, Verantwortlichkeiten und messbare Beiträge übersetzt werden. Für diesen nächsten Schritt gibt es den eigenen Ratgeber Mitarbeitern Ziele setzen.

Die wichtigste Frage: Welcher Engpass entscheidet gerade?

Gründer:innen setzen oft Ziele nach Wunschbild: mehr Umsatz, bessere Website, mehr Sichtbarkeit, größere Reichweite, professionelleres Branding, mehr Kontakte. Das klingt alles sinnvoll, ist aber nicht automatisch die richtige Priorität.

Besser ist eine Engpassfrage:

Was verhindert aktuell am stärksten, dass aus meiner Geschäftsidee ein tragfähiges Unternehmen wird?

Die Antwort kann sehr unterschiedlich ausfallen. Manchmal fehlen Kundengespräche. Manchmal ist das Angebot zu unklar. Manchmal stimmt der Preis nicht. Manchmal gibt es Anfragen, aber keine Abschlüsse. Manchmal ist der Umsatz da, aber der Gewinn zu niedrig. Und manchmal arbeitet man an Marketing, obwohl zuerst die Leistung geschärft werden müsste.

SMART-Ziele: klare Ziele richtig formulieren

Die SMART-Methode ist ein Klassiker, weil sie schwammige Wünsche in überprüfbare Ziele übersetzt. Für Gründer:innen ist sie besonders hilfreich, wenn konkrete Umsetzungsschritte geplant werden: Kundengespräche, Umsatz, Angebote, Website, Buchhaltung, Produktentwicklung oder Akquise.

Ein Ziel ist dann brauchbar, wenn es nicht nur motiviert, sondern Entscheidungen erleichtert. „Ich will erfolgreicher werden“ hilft im Alltag kaum. „Ich gewinne bis 30. September zwölf qualifizierte Erstgespräche über Empfehlungen und LinkedIn, davon mindestens drei zahlende Kund:innen“ ist deutlich stärker.

SMART im Gründeralltag

SMART-Baustein Gute Frage für Gründer:innen
Spezifisch Was genau soll erreicht werden?
Messbar Welche Zahl zeigt Fortschritt?
Erreichbar Ist das Ziel mit Zeit, Budget und Fähigkeiten realistisch?
Relevant Zahlt das Ziel auf Umsatz, Gewinn, Kund:innen oder Tragfähigkeit ein?
Terminiert Bis wann wird geprüft?

Beispiele für schwache und starke Ziele

Schwach Besser
Ich will mehr Kund:innen. Ich führe bis Monatsende 15 Erstgespräche mit passenden Zielkund:innen.
Ich will mehr Umsatz. Ich erreiche bis Ende des Quartals 7.500 € Monatsumsatz mit mindestens 35 % Gewinnmarge.
Ich will sichtbarer werden. Ich veröffentliche 8 fachliche Beiträge und gewinne daraus 10 qualifizierte Anfragen.
Ich will meine Preise verbessern. Ich erhöhe den Tagessatz für neue B2B-Projekte ab 1. Oktober auf 650 € netto.

OKR für Gründer: Fokus statt 20 Baustellen

OKR steht für Objectives and Key Results. Die Methode eignet sich besonders gut, wenn ein Unternehmen nicht nur einzelne Aufgaben erledigen, sondern eine klare Richtung halten soll. Ein Objective beschreibt das qualitative Ziel. Key Results zeigen messbar, ob dieses Ziel erreicht wurde.

Für Gründer:innen ist OKR vor allem deshalb nützlich, weil es Prioritäten begrenzt. Statt zehn gleich wichtiger Ziele gibt es wenige zentrale Objectives. Das zwingt zu einer Entscheidung: Was ist jetzt wirklich erfolgskritisch?

Ein einfaches Gründer-OKR

Objective: Aus der Gründungsidee wird ein zahlungsbereites Angebot.

  • Key Result 1: 20 Gespräche mit potenziellen Zielkund:innen
  • Key Result 2: 5 konkrete Angebote verschickt
  • Key Result 3: 3 zahlende Pilotkund:innen gewonnen
  • Key Result 4: mindestens 2.500 € Umsatz im ersten Quartal

Das Objective gibt Richtung. Die Key Results verhindern Selbsttäuschung. Eine schöne Website, viele Ideen und positives Feedback sind wertvoll, aber sie ersetzen keine zahlenden Kund:innen.

SMART oder OKR: Was ist besser?

SMART und OKR sind keine Gegensätze. Sie lösen unterschiedliche Probleme. SMART eignet sich gut für einzelne konkrete Ziele. OKR eignet sich besser, wenn mehrere Aktivitäten auf ein gemeinsames Ergebnis ausgerichtet werden sollen.

Methode Stärke Ideal für
SMART klare Formulierung konkrete Einzelziele
OKR Fokus und Ausrichtung Quartalsziele, Wachstum, Strategie
KPI laufende Messung Umsatz, Leads, Gewinn, Liquidität
90-Tage-Plan Umsetzung im Alltag Wochenplanung und Review

In der Praxis funktioniert eine Kombination am besten: Ein klares Quartalsziel als OKR, die wichtigsten Teilziele SMART formulieren und die Entwicklung über wenige KPIs messen.

KPIs: Welche Kennzahlen Gründer wirklich messen sollten

Kennzahlen sind nur dann hilfreich, wenn sie Entscheidungen verbessern. Viele Gründer:innen messen zu früh zu viele Dinge: Likes, Follower, Websitebesuche, offene Ideen, To-do-Listen, Tools, Kurse, Netzwerktermine. Entscheidend ist aber, welche Zahl zeigt, ob das Unternehmen tragfähiger wird.

Wichtige KPIs für die frühe Selbstständigkeit

  • Monatsumsatz
  • Gewinn
  • fixe Kosten
  • Liquiditätsreserve
  • neue qualifizierte Anfragen
  • Erstgespräche
  • Angebote
  • Abschlussquote
  • durchschnittlicher Auftragswert
  • wiederkehrende Umsätze
  • verkaufbare Stunden
  • Akquisekanal je Auftrag

Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn. Ein hoher Umsatz kann sich gut anfühlen, aber wenig bringen, wenn Kosten, Steuern, Sozialversicherung, Zahlungsausfälle und unbezahlte Arbeitszeit nicht berücksichtigt werden. Eine vertiefende Einordnung bietet der Beitrag ab welchem Gewinn sich Selbstständigkeit lohnt.

Umsatz-, Gewinn- und Liquiditätsziele richtig setzen

Finanzziele sollten nicht aus Wunschdenken entstehen. Sie müssen aus dem tatsächlichen Bedarf abgeleitet werden: private Lebenshaltungskosten, betriebliche Fixkosten, Steuern, SVS, Rücklagen, Investitionen und gewünschter Unternehmerlohn.

Vom Wunschumsatz zum Mindestziel

Eine einfache Reihenfolge hilft:

  1. private monatliche Mindestentnahme bestimmen
  2. betriebliche Fixkosten berechnen
  3. Rücklagen für Steuern und SVS einplanen
  4. Investitionen und Weiterbildung berücksichtigen
  5. realistische verkaufbare Arbeitszeit berechnen
  6. Mindestumsatz und Mindeststundensatz ableiten

Ein Ziel wie „10.000 € Monatsumsatz“ ist nur dann sinnvoll, wenn klar ist, was davon übrig bleibt. Für manche Geschäftsmodelle kann schon ein geringerer Umsatz tragfähig sein. Bei anderen reicht ein scheinbar hoher Umsatz nicht aus, weil Wareneinsatz, Subauftragnehmer:innen, Miete oder Marketingkosten stark ins Gewicht fallen.

Marketing- und Kundenziele formulieren

Marketingziele sollten nicht nur Sichtbarkeit messen. Sichtbarkeit ist Mittel zum Zweck. Für Gründer:innen zählt, ob daraus passende Anfragen, Gespräche, Angebote und Aufträge entstehen.

Gute Marketingziele

  • 12 qualifizierte Erstgespräche über Empfehlungen und LinkedIn
  • 5 Angebotsanfragen über die Website pro Monat
  • 3 neue B2B-Kund:innen im Quartal
  • 30 % Abschlussquote bei passenden Erstgesprächen
  • 1 wiederkehrender Monatsauftrag bis Quartalsende

Je nach Geschäftsmodell können unterschiedliche Kanäle sinnvoll sein. Wer etwa eine Social Media Agentur gründen möchte, braucht andere Marketingziele als ein lokales Dienstleistungsunternehmen oder ein B2B-Berater. Entscheidend ist nicht, überall aktiv zu sein, sondern den Kanal zu finden, der planbar passende Anfragen bringt.

90-Tage-Plan: So wird aus einem Ziel ein Arbeitsplan

Jahresziele sind oft zu weit entfernt. Sie klingen groß, aber steuern den Alltag schlecht. Ein 90-Tage-Plan ist für Gründer:innen praktischer, weil er lang genug für echte Ergebnisse und kurz genug für klare Umsetzung ist.

Aufbau eines guten 90-Tage-Plans

Ebene Beispiel
Hauptziel erstes tragfähiges B2B-Angebot validieren
Key Results 20 Gespräche, 5 Angebote, 3 Kund:innen
Wochenroutine 5 Kontakte, 2 Gespräche, 1 Angebotsoptimierung
Review jeden Freitag 30 Minuten
Entscheidung fortsetzen, anpassen oder stoppen

Der wichtigste Teil ist nicht die Planung, sondern der Review. Ohne Review bleibt ein Ziel ein guter Vorsatz. Mit Review wird es ein Steuerungsinstrument.

Beispiel: 90-Tage-Ziele für eine neue Beratung

Eine Gründerin startet eine B2B-Beratung. Sie hat Erfahrung, aber noch keine klare Positionierung und keine zahlenden Kund:innen.

Objective

Die Beratung gewinnt erste zahlende Kund:innen und validiert ein klares Angebot.

Key Results

  • 25 Zielkundengespräche geführt
  • 3 Angebotsvarianten getestet
  • 8 Angebote verschickt
  • 3 zahlende Kund:innen gewonnen
  • mindestens 4.500 € Umsatz erzielt

Wochenfokus

  • Montag: Kontakte und Empfehlungen aktivieren
  • Dienstag bis Donnerstag: Gespräche und Angebote
  • Freitag: Auswertung, Angebotsverbesserung, nächste Schritte

So entsteht aus einem abstrakten Ziel ein konkreter Arbeitsrhythmus.

Beispiel: Ziele für einen nebenberuflichen Start

Wer nebenberuflich gründet, hat weniger Zeit und muss noch stärker priorisieren. Das Ziel sollte nicht sein, alles gleichzeitig aufzubauen. Besser ist ein Testziel.

Gutes 90-Tage-Ziel

Ich prüfe innerhalb von 90 Tagen, ob mein Angebot zahlungsbereite Nachfrage hat, ohne meine laufende Arbeit zu gefährden.

Messbare Ergebnisse

  • 10 Gespräche mit potenziellen Kund:innen
  • 2 kleine Testaufträge
  • mindestens 1.000 € Umsatz
  • maximal 6 Stunden pro Woche
  • klare Entscheidung nach 90 Tagen

Das Ziel ist bewusst begrenzt. Es geht nicht um maximale Skalierung, sondern um eine realistische Prüfung. Eine gute Vorbereitung unterstützt auch die Checkliste zur Vorbereitung auf die Selbstständigkeit.

Beispiel: Ziele für Content, Website und Sichtbarkeit

Viele Gründer:innen starten mit dem Ziel „mehr Sichtbarkeit“. Das ist zu ungenau. Sichtbarkeit ist nur dann wertvoll, wenn sie zur richtigen Zielgruppe, zu Vertrauen und zu Anfragen führt.

Besseres Ziel

Die Website wird innerhalb von 90 Tagen zu einem klaren Vertrauens- und Anfragekanal für ein konkretes Angebot.

Key Results

  • 1 klare Angebotsseite veröffentlicht
  • 5 hilfreiche Ratgeberartikel für typische Kundenfragen
  • 10 qualifizierte Anfragen über Website oder Kontaktformular
  • 3 Kundentermine aus organischer Sichtbarkeit

Für textbasierte Geschäftsmodelle kann auch der Ratgeber zu Copywriting-Aufträge finden hilfreich sein, weil dort Akquise, Positionierung und konkrete Auftragsgewinnung stärker im Mittelpunkt stehen.

Häufige Fehler beim Setzen von Unternehmenszielen

Zu viele Ziele gleichzeitig

Wenn alles Priorität hat, hat nichts Priorität. Gerade Gründer:innen sollten pro Quartal maximal wenige Hauptziele verfolgen. Sonst entstehen offene Baustellen, aber keine belastbaren Ergebnisse.

Umsatz ohne Gewinnziel

Umsatz ist sichtbar, Gewinn ist entscheidend. Ein Ziel sollte immer klären, welche Marge, welche Kosten und welche Rücklagen berücksichtigt werden.

Reichweite statt Anfragen

Follower, Likes und Websitebesuche können hilfreich sein. Als Hauptziel sind sie aber oft zu weich. Besser sind qualifizierte Anfragen, Erstgespräche, Angebote und Abschlüsse.

Keine Stopp-Regel

Manche Ziele werden aus Gewohnheit weiterverfolgt, obwohl sie nicht funktionieren. Ein guter 90-Tage-Plan enthält deshalb auch die Frage: Wann stoppen oder ändern wir den Ansatz?

Keine Verbindung zum Businessplan

Ein Businessplan beschreibt nicht nur die Idee, sondern auch Umsetzung, Markt, Finanzierung und Planung. Ziele sollten daraus abgeleitet werden. Wer einen Businessplan und die Firmengründung in Österreich vorbereitet, sollte die wichtigsten Unternehmensziele daher direkt mit Finanzplanung, Kundengewinnung und Rechtsformentscheidung verbinden.

Wann Ziele angepasst werden sollten

Ziele sind keine starre Verpflichtung. Sie müssen angepasst werden, wenn neue Informationen vorliegen. Das gilt besonders am Anfang, weil Gründer:innen noch lernen, wie Markt, Kund:innen, Preise und eigene Arbeitsweise tatsächlich funktionieren.

Gute Gründe für eine Anpassung

  • Kund:innen reagieren anders als erwartet
  • ein Angebot verkauft sich nicht
  • ein Kanal bringt viele Kontakte, aber keine Aufträge
  • die Kostenstruktur verändert sich
  • die eigene Belastung wird zu hoch
  • ein neues Ziel hat deutlich größere Hebelwirkung
  • gesetzliche, steuerliche oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich

Wichtig ist der Unterschied zwischen Anpassung und Ausweichen. Ein Ziel zu ändern ist sinnvoll, wenn Daten dafür sprechen. Ein Ziel ständig zu ändern, weil die Umsetzung unbequem wird, verhindert Fortschritt.

Praktische Vorlage: Unternehmensziele in 30 Minuten setzen

Diese kurze Vorlage eignet sich für Gründer:innen, die aus vielen Ideen einen klaren Quartalsfokus machen möchten.

1. Ausgangslage notieren

  • aktueller Monatsumsatz
  • aktueller Gewinn
  • Anzahl Kund:innen
  • beste Akquisekanäle
  • größter Engpass

2. Hauptziel festlegen

Ein Satz reicht. Beispiel: „Ich mache aus meinem Angebot innerhalb von 90 Tagen ein wiederholbares B2B-Angebot mit zahlenden Kund:innen.“

3. Drei bis fünf messbare Ergebnisse definieren

  • Gespräche
  • Angebote
  • Abschlüsse
  • Umsatz
  • Gewinn

4. Wochenroutine bestimmen

Ein Ziel ohne Routine verliert im Alltag. Die Wochenroutine legt fest, was jede Woche passieren muss, damit das Ziel nicht nur geplant, sondern umgesetzt wird.

5. Review-Termin fixieren

Ein fester Review-Termin verhindert, dass Ziele im Tagesgeschäft verschwinden. Für viele Gründer:innen reicht ein kurzer Freitagstermin: Was wurde erreicht? Was hat nicht funktioniert? Was ist nächste Woche der wichtigste Schritt?

FAQ: Unternehmensziele richtig setzen

Wie viele Unternehmensziele sollte ich als Gründer gleichzeitig haben?

Für die meisten Gründer:innen reichen ein bis drei Hauptziele pro Quartal. Mehr Ziele wirken zwar ambitioniert, führen aber oft zu Streuung. Entscheidend ist, welche Ziele den größten Einfluss auf Kundengewinnung, Umsatz, Gewinn und Tragfähigkeit haben.

Sind SMART-Ziele oder OKR besser für Gründer?

SMART ist gut für konkrete Einzelziele. OKR ist besser, wenn mehrere Aktivitäten auf ein gemeinsames Quartalsziel ausgerichtet werden sollen. In der Praxis funktioniert die Kombination gut: ein klares Objective, messbare Key Results und einzelne SMART formulierte Umsetzungsschritte.

Was ist ein gutes erstes Unternehmensziel?

Ein gutes erstes Ziel prüft zahlungsbereite Nachfrage. Zum Beispiel: 20 Gespräche mit Zielkund:innen, 5 Angebote, 3 zahlende Kund:innen und ein klarer Umsatzbetrag innerhalb von 90 Tagen. Das ist stärker als ein reines Ziel wie „Website fertigstellen“.

Welche KPIs sind am Anfang wirklich wichtig?

Wichtig sind vor allem Monatsumsatz, Gewinn, Liquidität, qualifizierte Anfragen, Erstgespräche, Angebote, Abschlussquote und durchschnittlicher Auftragswert. Reichweite und Follower können hilfreich sein, sollten aber nicht die einzigen Erfolgskennzahlen sein.

Wie formuliere ich ein Umsatzziel richtig?

Ein gutes Umsatzziel enthält Betrag, Zeitraum und Kontext. Noch besser ist die Ergänzung um Gewinn, Kosten und Rücklagen. Beispiel: „Bis Ende des Quartals erreiche ich 9.000 € Monatsumsatz bei mindestens 35 % Gewinnmarge.“

Warum sind 90-Tage-Ziele sinnvoll?

90 Tage sind kurz genug für Fokus und lang genug für messbare Ergebnisse. Gründer:innen können in diesem Zeitraum Angebote testen, Kundengespräche führen, Preise prüfen und klare Entscheidungen treffen, ohne sich in langfristigen Wunschplänen zu verlieren.

Wann sollte ich ein Ziel stoppen?

Ein Ziel sollte gestoppt oder angepasst werden, wenn über einen definierten Zeitraum keine relevanten Fortschritte entstehen, obwohl die Umsetzung konsequent erfolgt. Wichtig ist, nicht aus Ungeduld zu stoppen, sondern auf Basis von Daten und ehrlichem Review.

Wie hängen Businessplan und Unternehmensziele zusammen?

Der Businessplan beschreibt Idee, Markt, Umsetzung und Finanzplanung. Unternehmensziele machen daraus konkrete Etappen. Sie zeigen, was in den nächsten Wochen und Monaten erreicht werden muss, damit der Plan nicht nur auf Papier funktioniert.

Fazit

Unternehmensziele richtig zu setzen bedeutet für Gründer:innen vor allem: Fokus schaffen, messbar arbeiten und Wunschdenken durch Entscheidungen ersetzen. Ein gutes Ziel zeigt nicht nur, wohin das Unternehmen soll, sondern auch, was diese Woche zu tun ist und woran Fortschritt erkennbar wird.

Die beste Kombination für den Start ist einfach: ein klarer 90-Tage-Fokus, wenige messbare Key Results, realistische KPIs und ein regelmäßiger Review. Wer Ziele so setzt, arbeitet nicht nur mehr, sondern gezielter. Genau das entscheidet am Anfang oft darüber, ob aus einer Idee ein tragfähiges Unternehmen wird.

Quellen & weiterführende Informationen

Verfasst von David

David Reisner ist ein erfahrener Unternehmer und SEO Experte mit einer Leidenschaft für innovative Ideen und kreative Strategien. Mit mehr als 10 Jahren Erfahrung in der Gründung und Führung von eigenen Unternehmen und Online-Magazinen teilt David hier seine Erfahrungen und Tipps auf Gründungswissen.

Privat ist er auf den Tanzflächen dieser Welt auf Tanz-Festivals weltweit anzutreffen, geht gerne Schwimmen und ist auf Reisen unterwegs. Auch gutes Essen und der Genuss stehen im Vordergrund.