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Ratgeber

Geschäftskonto für die GmbH in Österreich: Pflicht, Kosten und Auswahlkriterien

David
aktualisiert: 27. Juli 2026 17:28
Bank-Beratung vor Ort - worauf achten? (Symbolbild)
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Wer in Österreich eine GmbH gründet, kommt an einem eigenen Firmenkonto nicht vorbei. Denn ohne eine bestätigte Einzahlung des Stammkapitals lässt sich die Gesellschaft nicht in das Firmenbuch eintragen. Damit rückt das Geschäftskonto für die GmbH in Österreich an den Anfang der Gründung, lange bevor überhaupt die erste Rechnung gestellt wird. Wie diese Pflicht gesetzlich begründet ist, wie der Weg vom Gründungskonto zum laufenden Firmenkonto abläuft und worauf Gründerinnen und Gründer bei der Auswahl der Bank achten sollten, entscheidet oft schon über den Zeitplan der gesamten Gründung.

Wann ein Geschäftskonto zur Pflicht wird

Die GmbH ist als Kapitalgesellschaft eine eigenständige juristische Person, deren Vermögen strikt vom Privatvermögen der Gesellschafter getrennt bleibt. Aus diesem Trennungsprinzip ergibt sich die faktische Pflicht zum separaten Firmenkonto bereits vor der Firmenbucheintragung. Seit 1. Jänner 2024 beträgt das Mindeststammkapital 10.000 Euro, wovon mindestens die Hälfte, also 5.000 Euro, bar auf das neu eröffnete Konto einzuzahlen ist. Die gesetzliche Grundlage dafür liefert das GmbH-Gesetz auf RIS.

Auch die seit 2024 verfügbare Flexible Kapitalgesellschaft, FlexKapG, baut auf dem GmbH-Recht auf und übernimmt dieselben Kapitalregeln. Für Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Freiberufler besteht dagegen keine ausdrückliche gesetzliche Pflicht. Ein separates Konto bleibt hier organisatorisch sinnvoll, ist aber keine Voraussetzung für die Gründung.

Die strengere Regulierung von Kapitalgesellschaften hat einen einfachen Grund. Solange nicht das vollständige Stammkapital eingezahlt ist, haften die Gesellschafter für die offene Differenz mit ihrem Privatvermögen. Erst mit vollständiger Einzahlung greift die Beschränkung der Haftung auf das Gesellschaftsvermögen, die den eigentlichen Vorteil der GmbH ausmacht. Das eigene Firmenkonto ist damit auch der Nachweis, ab wann diese Haftungsbeschränkung tatsächlich wirksam wird.

Hinzu kommt die steuerliche Seite. Als eigenes Steuersubjekt unterliegt die GmbH der Körperschaftsteuer, bei Gewinnausschüttungen an die Gesellschafter zusätzlich der Kapitalertragsteuer. Eine strikte Trennung von Gesellschafts- und Privatzahlungen erleichtert nicht nur die laufende Buchhaltung, sondern auch die Nachvollziehbarkeit gegenüber Finanzamt und Wirtschaftsprüfung im Fall einer Betriebsprüfung.

Vom Gründungskonto zum laufenden Firmenkonto

In der Praxis eröffnet die Bank das Konto zunächst als reines Gründungskonto. Es dient ausschließlich der Einzahlung des Stammkapitals und wird von der Geschäftsführung noch nicht frei verwendet. Nach der Einzahlung stellt das Kreditinstitut eine Bankbestätigung aus, die dem Firmenbuchgericht als Kapitalnachweis vorgelegt wird. Erst mit der Eintragung wandelt sich das Gründungskonto automatisch in ein reguläres Geschäftskonto, über das die GmbH danach frei verfügen kann.

Den Ablauf und die dafür nötigen Unterlagen beschreibt das Gründerservice-Portal des Bundes im Detail, unter anderem zu Stammeinlage und Bankverfahren bei der vereinfachten digitalen GmbH-Gründung. Wer den Banktermin frühzeitig vereinbart, vermeidet Verzögerungen zwischen Notariatsakt und Firmenbucheintrag.

Welche Unterlagen die Bank bei der Kontoeröffnung verlangt

Für die Eröffnung des Gründungskontos verlangen Banken in der Regel amtliche Lichtbildausweise aller Gesellschafter und Geschäftsführer, den Gesellschaftsvertrag beziehungsweise die Errichtungserklärung sowie Angaben zu wirtschaftlich Berechtigten im Sinne des Wirtschaftliche Eigentümer Registers. Bei der vereinfachten digitalen Gründung reicht dafür ein Termin bei einem Kreditinstitut, das dieses Verfahren anbietet. Die Identitätsprüfung erfolgt dann direkt in der Filiale oder per Video-Ident, ohne dass zusätzlich ein Notar für die Kontoeröffnung selbst nötig wäre.

Eine Musterzeichnung der Geschäftsführung gehört ebenfalls zu den Standardunterlagen, damit die Bank Zeichnungsberechtigungen später eindeutig zuordnen kann. Fehlt eines dieser Dokumente, verzögert sich die Ausstellung der Bankbestätigung und damit auch die Anmeldung beim Firmenbuchgericht.

Wie lange die Kontoeröffnung dauert

Bei vollständig digitalen Anbietern liegt zwischen Antragstellung und ausgestellter Bankbestätigung häufig nur ein bis wenige Werktage, sofern alle Unterlagen vollständig eingereicht wurden. Klassische Filialbanken benötigen für Terminvereinbarung, persönliche Identitätsprüfung und interne Prüfprozesse oft spürbar länger, was sich direkt auf den gesamten Gründungszeitplan auswirkt, da das Firmenbuchgericht ohne Kapitalnachweis nicht weiterarbeiten kann.

Wer die Kontoeröffnung parallel zu anderen Gründungsschritten wie der Erstellung des Gesellschaftsvertrags einplant, statt sie erst nach dem Notartermin anzugehen, vermeidet unnötige Wartezeit zwischen Beurkundung und Firmenbucheintragung.

Was ein Geschäftskonto kostet

Die Kosten unterscheiden sich je nach Anbieter erheblich. Klassische Filialbanken verrechnen meist eine monatliche Grundgebühr sowie gestaffelte Buchungsentgelte pro Transaktion, oft ergänzt um Kartengebühren und Mindestgebühren für Bargeldeinzahlungen. Digitale Anbieter und Fintechs kalkulieren häufig mit einer pauschalen Monatsgebühr, die eine bestimmte Anzahl an Buchungen und virtuelle Karten bereits einschließt, verlangen dafür aber gegebenenfalls Aufschläge für Filialleistungen wie Bareinzahlungen.

Wie groß die Unterschiede zwischen den Anbietern tatsächlich ausfallen, zeigt ein Blick auf drei aktuelle Modelle:

  • BAWAG BusinessBox Starter: in den ersten 12 Monaten nach Gründung 0 Euro Kontoführung, danach 9,90 Euro monatlich. 20 Buchungen inklusive, danach 0,54 Euro je Buchung. Bareinzahlung 13,90 Euro, Zusatzkarte 2,63 Euro.
  • easybank easy business pro: 9,00 Euro monatlich, 20 Buchungen inklusive, danach 0,26 Euro je Buchung. Bareinzahlung 0,75 Euro, Zusatzkarte kostenlos.
  • Qonto Essential: 29,00 Euro monatlich, dafür 250 Buchungen inklusive, danach 0,40 Euro je Buchung. 2 Prozent Fremdwährungsgebühr, Zusatzkarte 8,00 Euro.

Den eigentlichen Unterschied macht dabei weniger die Grundgebühr als die Zahl der inkludierten Buchungen: 20 gegenüber 250 Freibuchungen im Monat. Für die Gründungsphase lohnt sich zusätzlich der Blick auf etwaige Rabatte in den ersten Monaten sowie auf Mindestlaufzeiten, die sich bei einem noch unsicheren Transaktionsvolumen als unpraktisch erweisen können. Wer zu Beginn nur wenige Buchungen erwartet, fährt mit einem schlanken Tarif wie der BusinessBox Starter oder easy business pro günstiger; ein Paket mit hohem Freikontingent wie Qonto Essential zahlt sich dagegen erst bei entsprechend höherem monatlichem Buchungsvolumen aus.

Ein Blick lohnt sich außerdem auf Kostenpunkte, die im Grundtarif häufig nicht enthalten sind. Auslandsüberweisungen außerhalb des SEPA-Raums, Fremdwährungskonten, Eilüberweisungen oder das Bereitstellen zusätzlicher Firmenkarten für weitere Zeichnungsberechtigte. Gerade wachsende Unternehmen sollten diese Nebenkosten von Anfang an mitrechnen, statt sie erst bei der ersten Auslandsrechnung zu bemerken.

Auswahlkriterien für das passende Geschäftskonto

Neben dem Preis spielt für Gründerinnen und Gründer vor allem die Geschwindigkeit der Kontoeröffnung eine Rolle, da das Firmenbuchverfahren erst nach vorliegender Bankbestätigung weiterläuft. Eine vollständig digitale Identifikation und Kontoeröffnung verkürzt diesen Schritt spürbar gegenüber einem klassischen Filialtermin.

Für den laufenden Betrieb nach der Gründung zählen zusätzlich die Möglichkeit, mehreren Personen gestaffelte Zugriffsrechte einzuräumen, eine übersichtliche mobile App für unterwegs sowie Exportfunktionen, die Kontoumsätze direkt in gängige Buchhaltungsprogramme übertragen. Wer bereits absehen kann, dass das Unternehmen wächst, sollte auch prüfen, ob sich der Tarif später unkompliziert auf ein größeres Buchungsvolumen umstellen lässt, ohne das Konto wechseln zu müssen.

Wichtig sind außerdem eine transparente Gebührenstruktur ohne versteckte Staffelungen, ausreichende Freibeträge für das erwartete Buchungsvolumen, eine Anbindung an gängige Buchhaltungssoftware sowie deutschsprachiger Support für Rückfragen rund um Firmenbuch und Bankbestätigung. Da sich Anbieter in diesen Punkten deutlich unterscheiden, hilft ein strukturierter Überblick vor der Entscheidung. Der kostenlose Geschäftskonto-Vergleich von Capitalo stellt Konditionen verschiedener Banken und Fintechs für die GmbH-Gründung gegenüber.

Geschäftskonto und GmbH-Gründung gehören von Anfang an zusammen

Wer eine GmbH in Österreich gründet, kommt am Geschäftskonto nicht vorbei. Rechtlich nicht, weil ohne Kapitalnachweis keine Firmenbucheintragung möglich ist und praktisch nicht, weil Gebühren, Bearbeitungszeit und Serviceumfang der Bank den weiteren Gründungsverlauf direkt beeinflussen. Wer die Kontowahl frühzeitig und mit Vergleich angeht, spart sich im Anschluss Zeit an anderer Stelle der Gründung und startet mit einer sauberen Trennung von Gesellschafts- und Privatvermögen, die sich über die gesamte Laufzeit des Unternehmens auszahlt.

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